Gedenkkundgebung zum Völkermord an den Ezid*innen in Trier

Gedenkkundgebung zum Völkermord an den Ezid*innen in Trier

Gestern, den 03.08.20, veranstaltete das Sara – „deutsch-kurdisches Gesellschaftszentrum Trier“ eine Kundgebung an der Porta Nigra. Sie erinnerten an den Feminizid und Genozid an den Ezid*innen (Jesid*innen) vom 3.8.2014 in der Sengal Region durch den sog. IS und seine Verbündeten, der bis heute andauert. Menschen aus der Plattform Trier waren anwesend und haben einen Text des „Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V.“ vorgetragen, diesen findet ihr unten.
Ebenfalls wurde ein Artikel aus der „Zeit“ zum Thema „Rüstungsexporte in die Türkei“ vorgelesen (diesen findet ihr hier: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-08/waffenlieferung-tuerk…)
Trotz Regen waren einige Menschen (rund 40), vor allem aus der kurdischen Community, vor Ort.
Wer sich mehr mit dem Thema beschäftigen will kann sich hier informieren: http://ezidis.org/genozid/zeitleiste-voelker…

Solidarische Grüße,
Die Plattform Trier

Text des „Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V.

Anlässlich des inzwischen sechsten Jahrestages, gedenken wir mit großem Respekt den Opfern des noch andauernden Feminizids und Genozids an den Ezid*innen vom 3.8.2014 in der Sengal Region durch den sog. IS und seine Verbündeten. Wir erinnern an die tausende verschleppten Frauen und Kinder, von denen noch immer jegliche Spur fehlt.

Der 3. August 2014

Innerhalb weniger Wochen hatte der Islamische Staat (IS) in der Region Sinjar/Şengal im Nordirak tausende Ezid*innen auf grausame Weise hingerichtet, einzeln oder auch als öffentlicher Massenmord. Über 6500 Menschen, mehrheitich Frauen und Kinder wurden vom IS verschleppt, vergewaltigt, als Sex-Sklavinnen und wie Waren auf den selbstaufgebauten „Sklavinnenmärkten“ verkauft und gekauft. Noch heute wird etwa die Hälfte der verschleppten Ezid*innen vermisst und befinden sich in IS-Gefangenschaft. Von den 4.000.000 Ezid*innen wurden zehntausende von dem IS im Sinjar-Gebirge umzingelt, viele von ihnen starben in der Hitze des Hochsommers aufgrund von Erschöpfung, Wasser- und Nahrungsmangel. Ein noch größerer Feminizid und Genozid wurde durch die kurdischen Einheiten YPJ/YPG aus Rojava (Nordsyrien) und der YJA-STAR/HPG verhindert, indem zehntausende über einen Korridor nach Rojava gerettet wurden.

Selbstbestimmt gegen den Feminizid

Nach dem Konstrukt des radikalen Islam des Is gelten Ezid*innen als Ungläubige und sollten als Religionsgemeinschaft ausgelöscht werden. Dazu wendet der IS bis heute eine besonders brutale geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen an. Daher ist dieser Genozid gleichzeitig ein gezielter Feminizid. Denn Feminizid umfasst körperliche, geistige, ökonomische und strukturelle Gewalt, die damit einhergeht, Frauenihrer Lebensgrundlage und Entwicklungsmöglichkeiten zu berauben. Geschichtlich gesehen sind Frauen mit einem 5000-jährigen Feminizid konfrontiert. Aus diesem Bewusstsein heraus haben ezidische Frauen gemeinsam mit weitere kurdischen Frauen angefangen sich selbstbestimmt auf der Grundlage der Philosophie der Frauenbefreiung zu organisieren, zu verwalten und zu verteidigen. Ezid*innen wehren sich, indem sie sich durch den Aufbau von Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungskräften wie der Formierung der ezidischen Einheiten YJŞ und YBŞ gegen den anhaltenden Feminizid und Genozid stellen. Die vermeintlich Schwächsten – die Frauen – wurden in diesem Prozess zu den Stärksten, in dem sie eine Vorreiterrolle für ihre Gesellschaft einnehmen.

Sinjar verteidigen

Die aktuelle Rückkehr von mehr als 1500 ezidische Familien nach Sinjar und das Streben nach Freiheit und Frieden ist ein Dorn im Auge Erdogans. Der NATO-Bündnispartner Türkei der BRD Sorgt nicht nur durch seine völkerrechtswidrigen Angriffe, dass die Zivilbevölkerung im Sinjar und in Afrin/Rojava in Gefahr gebracht wird. Er strebt vielmehr danach den angefangenen und noch andauernden Feminizid und Genozid gegen die Ezid*innen durch den IS nun selbst mit Bombardierungen und Besatzung der Region Sinjar zu vollenden. Auch sechs Jahre später wird Sinjar weder durch internationale humanitare Hilfe noch der Wiederaufbau des zerstörten Sinjars gefördert, stattdessen wird die Türkei politisch als auch wirtschattlich u.a. durch die Bundesregierung Deutschlands unterstützt. Wir fordern ein Ende der Waffenlieferungen an die Türkei. Jegliche Zusammenarbeit mit der Turkei und dem Aggressor Erdogan müssen sofort eingestellt werden. Die Türkei führt Kriegsverbrechen durch, für die sie auf internationaler Ebene angeklagt werden muss. Die internationale Gemeinschaft muss ihrerseits die Garantierung von Frauen- und Menschenrechte gewährleisten,
sich für den Erhalt des Friedens für Ezid“innen cinsetzen, den durch den 1S begangenen Feminizid offiziell anerkennen und Feminizide als einen eigenen Straftatbestand benennen. Wir forderm internationale Hilfe für Sinjar und die offizielle Anerkennung der Selbstverwaltung in Sinjar, durch die vor Ort eine Demokratisierung und die Bewahrung der Menschenrechte in der Region gewährleistet wird.

Stand: 01. August 2020

Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V.
Ulenburger Buchenallee l6 | 32584 Löhne
Webseite: www.smie.de | E-Mail: info@smie.de
Telefon: +49 163 1162269

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