Rede & Bericht vom Globalen Klimastreik am 25.9.20 von FFF


Gestern am 25.9. haben wir als Plattform mit einigen Unterstützer*innen am globalen Klimastreik in Trier teilgenommen. Insgesamt haben ca. 550 Menschen für Klimagerechtigkeit und system change demonstriert. Darunter neben Parteijugenden vor allem Schüler*innen, Student*innen, sowie Lohnabhängige unter anderem Förster*innen, die besonders vor Augen geführt haben, wie stark die Folgen des Klimawandels schon jetzt auch unsere Wälder betreffen. Trotz der Corona-Auflagen konnte der Streik mit einem kurzen Konzert der lokalen Band „Dorfterror“ eingeläutet werden und der Demozug ca. anderthalb Stunden lang ohne Zwischenfälle durch die Innenstadt ziehen. Wir konnten diverse antikapitalistische Parolen einfließen lassen und dabei das Bewusstsein für das Aktionsmittel „Streik“ als praktisches Beispiel für Gegenmacht von unten betonen. Mit unserem Redebeitrag (s. unten) wurde der Klimastreik abgeschlossen. Wir setzen weiterhin auf die direkte Aktion und die Selbstorganisierung der Menschen als Antwort auf eine klimaschädliche Stellvertreter*innenpolitik! Voran zu einer klimagerechten und antikapitalistischen Welt!

Ein Video mit Bildern aus u.a. Trier findet ihr hier: https://youtu.be/NjM4Gpu_TZY

Redebeitrag:
Hallo liebe Menschen, wir sprechen heute für die Anarchakommunistische Organisation die Plattform in Trier

Es wird gerne gesagt, wir lebten in einem Erdzeitalter, in dem die Menschheit die wichtigste Kraft geworden ist, die die Erde formt. Neben dem Massenaussterben sei vor allem der Klimawandel der massivste Ausdruck der ungezügelten, zerstörerischen Kraft, die die Menschheit dabei entfaltet.
Doch wer die Schuld an der Klimakatastrophe etwas so was Abstraktem wie „der Menschheit“ oder „uns allen“ zuweist, macht es sich viel, viel zu einfach.

Darauf weist schon der Umstand hin, dass Bürger*innen der arabischen Emirate 2016 im Durchschnitt pro Kopf 30 Tonnen Co2 emittierten, Deutschlands knapp 9, Brasiliens 2 oder Honduras eine Tonne. Einwohner*innen des Kongo dagegen emittierten gerade mal 0,03 Tonnen Co2. Einen so niedrigen ökologischen Fußabdruck können wir hierzulande mit keiner noch so enthaltsamen Lebensumstellung erreichen – alleine deine Lebensumstände in einem Industrieland wie Deutschland werden das verhindern. Individuelle Konsumumstellungen sind vielleicht löblich, sie lösen aber ganz sicher kein einziges gesellschaftliches Problem.

Sind also wir alle hier, die in den Industriestaaten des globalen Nordens leben, die wahren Schuldigen am Klimawandel? Immer noch nicht so einfach. Co2 Emissionen unterscheiden sich auch hier nach Klassenzugehörigkeit. Der Beitrag der Reichsten zur Produktion von Treibhausgasen ist ein Vielfaches von dem der armen Bevölkerungsmehrheit. Weltweit sind allein 100 multinationale Firmen verantwortlich für 71% derjährlich weiter steigenden Emissionen. Während diese Konzerne unsere Atmosphäre in eine Abgasdeponie verwandeln, schaut die Politik aber scheinbar nur zu. Sei 1995 verballern Abgeordnete heiße Luft und Flugzeugkerosin für jährliche Weltklimakonferenzen. In der Bilanz völlig ergebnislos. Wir rasen auf einen Zustand zu, in dem weite Teile unserer Welt in einem Jahrhundert nicht mehr für Menschen bewohnbar sind. Dass es so kommt ist keine Zwangsläufigkeit. Aber das wird gerade in Kauf genommen. Es zu verhindern liegt in unseren Händen – hier und jetzt!
Es wird endlich Zeit für wirksame Klimapolitik!

Die Coronakrise, in der der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen teilweise enorm eingebrochen ist, hat gezeigt,dass ein dauerhafter Anstieg der Emissionen kein Naturgesetz ist, denn durch die weltweit umgesetzten Maßnahmen in der Pandemie ist ein massiver wirtschaftlicher Einbruch zu verzeichnen. Es sind globale Wirtschaftskrisen, die die immer weiter anwachsenden Emissionen gelegentlich etwas dämpfen können. Denn Emissionen und globales Wirtschaftswachstum sind miteinander verbunden. Sie steigen und fallen nahezu in derselben Geschwindigkeit. Es ist unser aller Form zu wirtschaften, die in ihren besten Zeiten immer neue Emissionsrekorde bricht, der Fetisch des Wachstums um jeden Preis und der Glaube dass mehr gleichbedeutend mit besser sei. Es ist eben nicht die Menschheit als Ganzes oder „wir“ als Gesamtbevölkerung der Industrieländer. Das Problem heißt Kapitalismus.

Der Kapitalismus als Hauptgrund für den Klimawandel hat in den letzten Jahrzehnten alle Ideen, den Klimawandel aufzuhalten im Keim erstickt. Um in dieser Gesellschaft umgesetzt zu werden soll Klimaschutz widersprüchlicher Weise wirtschaftlich sein. Aber Klimaschutz und Dauerwachstum sind auf einem begrenzten Planeten unvereinbar. Und solange etwas anderes profitabler ist, wird es halt nichts mit der Rettung des Planeten.
Dabei wäre es das einzig vernünftige jetzt und konsequent zu handeln. Sofortiger Kohleausstieg, Ausbau der erneuerbaren Energien, Aufforstung der Wälder, Enteignen von fossilen Energiekonzernen, Zurückfahren klimaschädlicher Produktionsmethoden und für alle frei verfügbaren Nahverkehr…all das ist keine Zauberei, sondern im Rahmen des Möglichen.
Es ist Zeit der unsichtbaren Hand des Marktes unsere Zukunft zu entreißen.

Die fortschreitende Klimakatastrophe stellt sicher, dass diese Wirtschaftsweise noch in diesem Jahrhundert verschwinden wird. Wir haben aber in der Hand wie das geschehen wird. Wenn wir nichts tun, fährt sie sich selbst mit Höchstgeschwindigkeit an die Wand – und uns alle und diese Welt gleich mit. Und wie immer wird es die Schwächeren zuerst treffen. Schon heute sind die Menschen des Globalen Südens bei weitem mehr von den Folgen von Klimawandel und zunehmend entfesseltem Kapitalismus betroffen, müssen sie die Folgen einer Politik ertragen, die sie nicht gemacht haben und eines Wachstums, von dem sie nicht profitieren. Aber glaubt hier irgendjemand immer noch, dass uns das alles nicht beträfe? Es hat nur drei Dürresommer gebraucht und schon steht unsere Landwirtschaft vor einem Scherbenhaufen, es braucht nur ein paar tausend Geflüchtete und schon ignorieren wir fundamentale Menschenrechte. Wie soll das denn in zehn oder fünfzig Jahren aussehen? Wie soll es werden, wenn weite Teil dieser Welt zunehmend unbewohnbar werden? Schon jetzt ist das Mittelmeer ein Massengrab, jagen Greiftrupps der griechischen Polizei über Lesbos, um verzweifelte Menschen gegen ihren Willen in ein Lager zu pferchen, wie es sie entlang der Außengrenzen der EU viele gibt, wo sie ohne Not entrechtet und entwürdigt werden. Wagt es hier irgendjemand sich ehrlich vorzustellen, wie unsere Welt erst aussieht, wenn wir einfach so weitermachen, während wir schon nicht in der Lage sind, mit den ersten schwachen Vorboten dieser gigantischen Katastrophe umzugehen?

Das alles darf keine Alternative sein – Wir müssen rebellieren!
Nur muss diese Rebellion unbedingt mehr sein, als nur noch vehementer an die Mächtigen zu appellieren und das mit zivilem Ungehorsam zu unterstreichen. Das passiert seit Jahrzehnten vergeblich und so läuft es wieder seit nunmehr 2 Jahren.
Denn Politiker*innen, und zwar die aller Parteien, ignorieren diesen Appell. Sie sind weiter bereit, nach Spielregeln zu spielen, die uns alle ans Messer liefern. Weil es ihr Beruf ist. Wenn ein System einen Kernteil eines Problems darstellt, dann ist es nicht möglich, sie getrennt voneinander zu betrachten, das Problem zu lösen, ohne das System zu verändern. Egal ob Politiker*innen und Entscheidende das jetzt persönlich gut finden oder nicht – so lange es diese Regeln gibt, wird sich das Spiel nicht verändern. Es ist völlig sinnlos auf sie sauer zu sein, sie können es ohnehin nicht ändern.

Aber als Anarchist*innen glauben wir: alle die heute Macht haben, haben sie durch das stille Einverständnis von Menschen, die lieber ihre Stimme abgeben, anstatt für sich selbst zu sprechen und sich an Eigentumsverhältnisse klammern, die für den größten Teil der Menschen – auch hier bei uns im globalen Norden – und für das Klima von Nachteil sind. Rebellion muss also heißen, dass wir dieses stille Einverständnis aufkündigen. Dass wir Politik und Wirtschaft die Macht die wir ihnen überlassen haben wieder wegnehmen und anfangen, unsere gesellschaftlichen Angelegenheiten selbst zu klären. Die wahre Macht liegt nicht bei ihnen – sondern bei uns. Sie liegt darin, sich von unten gleichberechtigt mit vielen zusammenzutun und zu organisieren. Eins hat der Erfolg von Fridays for future, Hambacher Forst-Besetzung und Ende Gelände in den letzten Jahren gezeigt: Klimaschutz ist und bleibt Handarbeit. Und stellt euch nur mal ganz kurz sowas wie Ende Gelände in einem größeren Maßstab vor: Wenn hunderttausende Menschen ein paar Wochen die Tagebaue im Rheinland blockieren würden, dann wäre die Kohle sehr, sehr schnell Geschichte.

Stellt es euch nur vor!

Für eine Zukunft grenzenloser Klimagerechtigkeit! Für eine Zukunft ohne Kapitalismus!

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