Nein zum Moselaufstieg! Auf in die Waldbesetzung!

Seit einigen Tagen besetzen Aktivist*innen unter dem Titel ‚Besch Bleibt‘ (Besch ist Trierisch für Wald ) ein Waldstück zwischen Igel und Zewen bei Trier. Dort soll der sog. ‚Moselaufstieg‘ oder auch ‚Westumfahrung Trier‘ gebaut werden – eine Brücke über die Mosel die Konz mit Igel verbindet, sowie eine 4-spurige Straße zur A64 durch ein intaktes Waldgebiet, welches dafür gerodet werden soll. Das Projekt ist seit den 70ern in Planung und seit je her gibt es Proteste, Bürger*innen-Initiativen uvm. dagegen. Seit 2016 ist das Projekt als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft.

Wir solidarisieren uns mit den Aktivist*innen sowie den Anwohner*innen welche sich gegen den Moselaufstieg wehren! Wir rufen dazu auf, die Waldbesetzung zu unterstützen! (Mehr zu Unterstützungsmöglichkeiten unten)

Es kann nicht sein, dass in Zeiten der rasant voranschreitenden Klimakrise weiterhin große Waldflächen für den Ausbau des Individualverkehrs abgeholzt werden! Denn der Verkehrsberuhigung geschweige denn einer besseren Anbindung an Luxemburg dient dies nicht, wie Gutachten zeigten. Allgemein gilt, dass mehr Straßen in keiner Weise zwingend weniger Stau oder weniger Verkehr bedeuten. Wird der Verkehr komfortabler, wird er mehr genutzt. Statt den schlichtweg nicht nachhaltigen Individualverkehr (egal ob mit Benziner oder Elektroauto) zu fördern, braucht es endlich einen breiter ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, kostenlos für alle verfügbar und flächendeckend. Es braucht mehr Logistik auf den Schienen, statt auf der Straße. Es braucht Zuwachs und Erhalt CO² bindender Naturgebiete. All dies wird mit diesem Bauprojekt nicht erwirkt. Es dient mal wieder nur der Anbindung eines Gewerbegebietes und damit den schnellen Profiten der Wirtschaft und der Unternehmen. Die Anwohner*innen müssen mit dem Verlust eines wunderschönen Waldgebietes mit intaktem Ökosystem, erhöhtem Lärm durch den Verkehr und natürlich im Allgemeinen mit den Folgen der Klimakatastrophe leben. 

Für uns ist klar: Wenn mal wieder die Anliegen der lokal betroffenen Menschen ignoriert werden und für parteipolitische und wirtschaftliche Zwecke Wälder gerodet werden, während wir auf einen Klimakollaps zusteuern, dann gilt es die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Wenn unsere Interessen nicht gehört werden (wollen), dann müssen wir sie auch gegen die Interessen derer, denen das System und dessen Spielregeln aktuell dient, von unten und gemeinsam durchsetzen! Nur kollektiv, basisdemokratisch und ohne den Einfluss von Wirtschaftslobbys, Kapitalinteressen oder Parteiinteressen können wir diese Welt nach vorne bringen! Nur wenn wir uns auch in unseren eigenen Reihen gegen Diskriminierungs- und Unterdrückungsformen wie z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus¹ oder Queerfeindlichkeit stark machen, können wir wirklich alle dabei mitnehmen und unser aller Interessen gleichberechtig vertreten. Nur wenn wir erkennen, dass das Klima und die Umwelt nicht lediglich von individuellen Konsumfragen, wie unserem Fleischkonsum oder Autofahrten abhängt, sondern strukturellem Urspungs ist, kommen wir weiter. 
Der Kapitalismus mit seinem Klassensystem, der stetig wachsen muss auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt – dem darin existierenden Leitbild der Männlichkeit, welches stetig andere unterjochen und überbieten muss – die rassistische Verschleppung, Versklavung, Ermordung und Kolonialisierung nicht-weißer Menschen weltweit, welche diese gesamte Form des Wirtschaftens erst möglich gemacht hat und die daraus bis heute anhaltende globale Ungerechtigkeit, gerade in Bezug auf die Folgen des Klimawandels – der Staat, welcher all das stets gewaltsam geschützt und ausgeweitet hat –  all diese Dinge müssen zusammen analysiert, verstanden und überwunden werden. Wir sehen in dieser lokalen Waldbesetzung und der dort angestrebten Form des Zusammenlebens einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

Also: Auf in die Waldbesetzung! Zeigen wir den Herrschenden in Politik und Wirtschaft: Kein Meter der Abholzung! Keine klimaschädlichen Bauprojekte ohne massiven Widerstand! Vom Hambacher bis zum Dannenröder Forst, von den brasilianischen Regenwäldern bis zu den Gebieten der Wetʼsuwetʼen in Kanada, von den Wäldern der Mapuche in Chile bis nach Trier – Besch Bleibt!

¹ Diskriminierung aufgrund von (Mangel an) Fähigkeiten

Aufruf zur Unterstützung von Besch Bleibt:
❗️❗️+++ Waldbesetzung in Trier räumungsbedroht +++❗️❗️
Das Forst- und Ordnungsamt Trier droht, eine Räumung einzuleiten, deshalb bereiten wir uns auf Tag X vor. 
Haltet euch in den nächsten Wochen bereit oder kommt schon jetzt vorbei und helft mit, den Wald räumungssicher zu machen. Anfahrt: https://beschbleibt.blackblogs.org/mitmachen/anreise/
Menschen vor Ort können euch einweisen mit allem was jetzt zu tun ist und Wissen über Räumungen teilen.
Wir brauchen Unterstützung beim Bauen und Klettern, aber auch Menschen die tagsüber und nachts im Wald sind und Unterstützung von außen geben, indem sie z.B. Menschen von Polizeiwachen abholen oder im Ernstfall Essen für uns kochen. 
Bitte macht möglichst vor der Anreise einen Corona-Schnelltest und haltet euch an den Mindestabstand und ans Maske tragen.

 

Telegram/Twitter/Instagram @BeschBleibt 

 

Waldhandy 0178 76 46 878  
Pressehandy/Unterstützungsgruppe außerhalb vom Wald 01573 89 45 519  
Ermittlungsausschuss (Rechtlicher Support) 0641 2010 99 546

 

Weitere Infos zum Moselaufstieg:
Verein Nein Zum Moselaufstieg:
Videobeitrag des Volksfreund:

 

Mehr zum Thema Klimakämpfe & Waldbesetzungen:
Redebeitrag der Plattform Trier bei Fridays For Future am 19.3.21:
Text zur Besetzung im Danni & Altmark:
Podcast zur Besetzung Dannenröder Forst:
Text & Video zu Holzraubbau in den indigenen Gebieten der Mapuche, Chile:

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